{"id":744,"date":"2021-11-01T14:53:00","date_gmt":"2021-11-01T13:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/?p=744"},"modified":"2023-02-08T14:54:51","modified_gmt":"2023-02-08T13:54:51","slug":"hilfe-holen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/index.php\/2021\/11\/01\/hilfe-holen-teil-2\/","title":{"rendered":"Hilfe holen (Teil 2)"},"content":{"rendered":"\n<p>eim zweiten Teil zum Thema &#8222;Hilfe holen&#8220; m\u00f6chte ich nun \u00fcber die m\u00f6glichen Hilfsangebote sprechen, die uns zur Verf\u00fcgung stehen. Das Thema ist unfassbar komplex, b\u00fcrokratisch und eng verwoben mit finanziellen Fragen. Ich habe mein Bestes gegeben es so kurz wie m\u00f6glich zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Lesen des vorigen Blogeintrages bist du ja nun voll motiviert deine psychischen und emotionalen Probleme anzupacken. Aber <strong>wohin geht man<\/strong> damit? Klinik? Haus\u00e4rzt*in? Beratungsstelle? N\u00e4chste*n Psychiater*in?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort h\u00e4ngt von folgenden Fakten ab:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>welche <strong>Bev\u00f6lkerungsgruppe <\/strong>geh\u00f6rt die betroffene Person an, z. B. Kind\/Jugendliche*r, Arbeitssuchend*e, Rentner*in<\/li>\n\n\n\n<li>was ist das <strong>Problem<\/strong>, z. B. Sucht, psychische Erkrankung, traumatisches Erlebnis, Lebenskrise, Paarproblematik, Essst\u00f6rung, \u00dcberarbeitung<\/li>\n\n\n\n<li>wie <strong>schwer <\/strong>wiegt das Problem, z. B. mit oder ohne Suizidalit\u00e4t, schr\u00e4nkt es die Arbeitsf\u00e4higkeit oder den Alltag schwer ein, ist es ein dringendes Problem<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Manchmal kann man diese Fragen gar nicht selbst so genau beantworten. Oder die Meinung von Bezugspersonen um einen herum f\u00e4llt ganz anders aus, als die eigene Einsch\u00e4tzung. In solchen F\u00e4llen macht es Sinn das Erstgespr\u00e4ch zu suchen bei der <strong>Haus\u00e4rzt*in<\/strong> oder der n\u00e4chsten <strong>Psychiater*in, Neurolog*in oder Psycholog*in<\/strong>. Haus\u00e4rzt*innen haben im Normalfall Grundkenntnisse und \u00fcberweisen dich weiter. Falls du dich allerdings schlecht aufgehoben f\u00fchlst oder deine Probleme nicht ernst genommen werden, hol dir eine Zweitmeinung und den Rat einer der drei oben genannten Expert*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Psychiater*innen, Neurolog*innen und Psycholog*innen sind theoretisch alle drei in der Position Diagnosen zu stellen. In der Praxis gilt die Regel: anrufen und nachfragen, denn nicht jede*r tut es auch. Meistens taucht hier schon das Problem der langen <strong>Wartezeiten <\/strong>auf. Selbst auf ein Erstgespr\u00e4ch musst du eventuell mehrere Monate warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es noch <strong>Heilpraktiker*innen f\u00fcr Psychotherapie<\/strong>, so wie mich. Wir stellen meistens Diagnosen (ich tue es) und senden dich gegebenfalls an besser passende Stellen weiter, oder therapieren selbst. Gesellschaftlich gesehen, sollen HP f\u00fcr Psychotherapie erg\u00e4nzend zu \u00c4rzt*innen arbeiten. Da wir derzeit eine sehr gro\u00dfe Versorgungsl\u00fccke in Deutschland haben, sind HPs eine gute Alternative. Die Krankenkassen sehen es trotzdem nicht so gern und zahlen im Normalfall gar nichts. Das ist leider der Haken an der Sache. Es gibt aber noch andere <strong>Geldt\u00f6pfe<\/strong>, frag am Besten mal bei der HP f\u00fcr Psychotherapie direkt nach. Wartezeiten auf Gespr\u00e4che und auch Therapie gibt es meistens so gut wie gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1301\" height=\"641\" src=\"http:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/wohinpsycho-edited.png?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-604\" srcset=\"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/wohinpsycho-edited.png 1301w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/wohinpsycho-edited-300x148.png 300w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/wohinpsycho-edited-1024x505.png 1024w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/wohinpsycho-edited-768x378.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1301px) 100vw, 1301px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schaubild aus meinem Vortrag &#8222;Burnout bei Eltern&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h5 id=\"du-hast-ein-sehr-drangendes-problem-wie-akute-depression-oder-suizidalitat\"><strong>Du hast ein sehr dr\u00e4ngendes Problem, wie akute Depression oder Suizidalit\u00e4t?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Dann such dir die Adresse der n\u00e4chsten psychiatrischen Klinik raus und ruf dort an. <strong>Psychiatrische Klinik<\/strong> steht nicht f\u00fcr Psychiatrie und gleich geschlossene Station (der Irrglaube h\u00e4lt sich leider), sondern verf\u00fcgt meistens \u00fcber verschiedene Zweige z. B. auch eine Tagesklinik. Wer sich in Lebensgefahr f\u00fchlt, akute Panikattacken hat oder sein Leben \u00fcberhaupt nicht mehr im Griff hat, ist hier an der richtigen Adresse. Auch bei schweren Essst\u00f6rungen (Gewicht dauerhaft unter 50kg = Lebensgefahr) ab zur n\u00e4chsten Klinik. Vorher anrufen ist immer gut, aber notfalls kann man auch direkt hinfahren. Kliniken sind bei akuter Selbstgef\u00e4hrdung (Suizidalit\u00e4t) verpflichtet dich aufzunehmen, auch wenn sie gestopft voll sind. Oder dich weiter zu vermitteln. Andere Betroffene m\u00fcssen auch bei Kliniken mit Wartezeiten von Monaten bis zu 1 Jahr bis zur Aufnahme rechnen, Erstgespr\u00e4che kriegt man meist schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du <strong>nachts <\/strong>oder am <strong>Wochenende <\/strong>pl\u00f6tzlich zusammenklappst, rufst du entweder den <strong>Krankenwagen <\/strong>oder die <strong>116 117<\/strong>. Beide helfen auf jeden Fall sofort und vermitteln auch weiter. Stellt das medizinische Fachpersonal des \u00e4rztlichen Notdienstes 116 117 fest, dass du Anspruch auf Psychotherapie hast, sind sie verpflichtet dir innerhalb von 2 Wochen einen ambulanten Therapieplatz in vertretbarer N\u00e4he zu besorgen. Wenn es den nicht gibt, hast du schonmal eine gute Grundlage dir eine*n HP f\u00fcr Psychotherapie zu suchen und bei der Krankenkasse eine Finanzierung zu erhalten. <\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"du-hast-ein-moderates-problem-oder-weisst-gar-nicht-ob-es-psychische-ursachen-hat\"><strong>Du hast ein moderates Problem oder wei\u00dft gar nicht, ob es psychische Ursachen hat?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Haus\u00e4rzt*in ist auch hier eine gute erste Option. Auch weil du dort die \u00dcberweisung bekommst zur Psychotherapie bei Psychiater*in, Psycholog*in oder approbierte*r Psychotherapeut*in. Letztere kann man auch privat bezahlen, was die Wartezeiten auf wenige Tage\/Wochen verk\u00fcrzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel kann man sich an die n\u00e4chste <strong>Beratungsstelle <\/strong>wenden. Wir haben eine gute Dichte an Beratungsstellen, die meist sehr kompetent sind. Je nach Problem gibt es:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Familienberatung oder Paarberatung<\/li>\n\n\n\n<li>Sucht-\/Drogenberatung<\/li>\n\n\n\n<li>Anlaufstellen f\u00fcr Opfer von Gewalt<\/li>\n\n\n\n<li>Sozial-\/Lebensberatung<\/li>\n\n\n\n<li>Frauenberatung<\/li>\n\n\n\n<li>Schwangerenberatung (oft auch anonym)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und noch viele andere. Google einfach mal oder schau auf der Seite deiner Gemeinde\/Stadt oder kirchlichen Tr\u00e4gern, wie Diakonie und Caritas. Ruf vorher an, oder geh spontan zu den \u00d6ffnungszeiten vorbei. Beratungsstellen sind auch immer eine gute Option f\u00fcr <strong>Angeh\u00f6rige<\/strong>, die unsicher sind, ob ein psychisches Problem vorliegt oder selbst sehr belastet sind.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"du-hast-eher-eine-krise-als-ein-psychisches-problem-und-das-gefuhl-dass-du-nur-ein-paar-sitzungen-oder-einen-kraftigen-schubs-brauchst\">Du hast eher eine Krise, als ein psychisches Problem und das Gef\u00fchl, dass du nur ein paar Sitzungen oder einen kr\u00e4ftigen Schubs brauchst?<\/h5>\n\n\n\n<p>Dann kannst du dir wahrscheinlich die Diagnose sparen. Ein Besuch bei der Haus\u00e4rzt*in empfehle ich trotzdem, einfach um k\u00f6rperliche Ursachen, wie Schilddr\u00fcsenerkrankung oder N\u00e4hrstoffmangel aus zu schlie\u00dfen. Von dort kannst du direkt weiter zu eine*r <strong>Therapeut*in<\/strong>. Entweder mit Wartezeit und von der Kasse bezahlt bei Psychiater*in, Psycholog*in oder Psychotherapeut*in (Neurolog*innen f\u00fchren keine Therapien durch, sie behandeln nur medikament\u00f6s) oder privat gezahlt bei eine*r HP f\u00fcr Psychotherapie oder eine*r Therapeut*in ohne Approbation. Letztere k\u00f6nnen systemische, tiefenpsychologische Therapeut*innen, Psychotherapeut*innen, Verhaltenstherapeut*innen oder &#8211; wie ich &#8211; Kunst-\/Gestaltungs-\/Musik-\/Tanztherapeut*innen sein. Die Therapiemethoden sind zahlreich und jede*r Therapeut*in sehr unterschiedlich spezialisiert. Am Besten nach <strong>kostenlosen Erstgespr\u00e4chen<\/strong> schauen und dann diejenige ausw\u00e4hlen, mit der man wahrscheinlich am Besten klarkommt und sich gut aufgehoben f\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Krankenkassen \u00fcbernehmen meistens nur approbierte Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und Psychiater*innen, weil nur diese Berufszweige sogenannten <strong>gesch\u00fctzte Berufsbezeichnungen<\/strong> f\u00fchren. &#8222;Therapeut*in&#8220; darf sich in Deutschland jeder nennen, auch ohne Ausbildung. Genauso &#8222;Kunsttherapeut*in&#8220; oder &#8222;Coach&#8220;. Dennoch gibt es kompetente Therapeuten, mit Studium und allem drum und dran, am Besten vorher auf der Website informieren. Auch viele <strong>Coachs und Lebensbegleiter*innen<\/strong> sind gut qualifiziert und bei z. B. Lebenskrisen oder Trauerbegleitung Gold wert. Auch hier verweise ich wieder auf kostenlose Erstgespr\u00e4che, in denen man die Qualifikation erfragen kann. Eine Ausnahme bez\u00fcglich der Berufsbezeichnung bilden \u00fcbrigens HP f\u00fcr Psychotherapie, die ihren Titel nur nach bestandener <strong>Pr\u00fcfung durch das Gesundheitsamt<\/strong> f\u00fchren d\u00fcrfen (und trotzdem von den meisten Krankenkassen nicht anerkannt werden).<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"du-bist-kind-jugendliche-r-oder-erziehungsberechtigte-r\">Du bist Kind\/Jugendliche*r oder Erziehungsberechtigte*r?<\/h5>\n\n\n\n<p>Bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen und\/oder auff\u00e4lligem Verhalten gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten. Kurz zusammengefasst von sehr schwerwiegenden Problemen bis leichten Schwierigkeiten:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Krankenwagen oder 116 117<\/li>\n\n\n\n<li>n\u00e4chste Klinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie<\/li>\n\n\n\n<li>ambulante*r Kinder- und Jugendpsychiater*in (besonders bei Diagnosefragen und medikament\u00f6ser Behandlung)<\/li>\n\n\n\n<li>ambulante*r Kinder- und Jugendpsychotherapeut<\/li>\n\n\n\n<li>HP f\u00fcr Psychotherapie, wahlweise mit Spezialisierung auf Kinder\/Jugendliche<\/li>\n\n\n\n<li>Jugendamt<\/li>\n\n\n\n<li>Familienberatungsstelle oder Kinder- und Jugendberatungsstelle<\/li>\n\n\n\n<li>Schulsozialarbeiter*in<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das <strong>Jugendamt <\/strong>sollte vor Allem mit ins Boot geholt werden, wenn keine eindeutige Diagnose vorliegt und trotzdem Ma\u00dfnahmen finanziert werden sollen. Au\u00dferdem sind sie oft gut vernetzt, genauso wie Beratungsstellen.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"du-bist-arbeitssuchend-gemeldet\">Du bist arbeitssuchend gemeldet?<\/h5>\n\n\n\n<p>Ziel des <strong>Jobcenters <\/strong>ist es ja, Arbeit an arbeitsf\u00e4hige Menschen zu vermitteln und entsprechend die Voraussetzungen daf\u00fcr zu schaffen. Wenn dein psychischer Zustand aktuell keine Arbeitssuche zul\u00e4sst, besprich das mit dem zust\u00e4ndige*n Mitarbeiter*in vom Jobcenter. Erstmal sollte dort bekannt sein, dass du deine Zeit und Energie gerade in die Suche einer Therapie steckst und nichts anderes schaffst. Au\u00dferdem gibt es in einigen St\u00e4dten, z. B. Leipzig und M\u00fcnchen, Modellprojekte, bei denen du an Beratungen oder therapeutischen Workshops teilnehmen kannst. Und je nach Mitarbeiter*in wird dir vielleicht auch geholfen bei der Organisation der Therapie, bei Fahrtkosten oder bei der weiteren Versorgung deiner Familie. Nachfragen kostet nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Krankenkassen \u00fcbernehmen ab und zu die Fahrtkosten zur Therapie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle gemachten Angaben sind ohne Gew\u00e4hr und beruhen auf meinem aktuellen Informations- und Erfahrungsstand.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eim zweiten Teil zum Thema &#8222;Hilfe holen&#8220; m\u00f6chte ich nun \u00fcber die m\u00f6glichen Hilfsangebote sprechen, die uns zur Verf\u00fcgung stehen. Das Thema ist unfassbar komplex, b\u00fcrokratisch und eng verwoben mit finanziellen Fragen. Ich habe mein Bestes gegeben es so kurz wie m\u00f6glich zu halten. 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