{"id":742,"date":"2021-11-19T14:53:00","date_gmt":"2021-11-19T13:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/?p=742"},"modified":"2023-02-08T14:53:55","modified_gmt":"2023-02-08T13:53:55","slug":"hilfe-holen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/index.php\/2021\/11\/19\/hilfe-holen-teil-1\/","title":{"rendered":"Hilfe holen (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich einmal \u00fcber meine sehr pers\u00f6nliche Meinung sprechen zum Thema &#8222;<strong>Wann sollte ich mir Hilfe holen?<\/strong>&#8222;. In meiner Arbeit, sogar auch bei Vortr\u00e4gen und Workshops taucht diese Frage h\u00e4ufig von Klient*innen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt sicher zum Einen daran, dass psychische Probleme gesellschaftlich zwar langsam bekannter sind, aber immer noch schwer greifbar. Wer sich den Arm bricht, geht zum Arzt. Doch ab wann ist Niedergeschlagenheit eine Depression? Ab wann sind Angstzust\u00e4nde nicht mehr nur eine Phase?<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt eine destruktive Sozialisierung. Wir wachsen in dem Glauben auf, wir m\u00fcssten das ertragen, aushalten, uns nicht so anstellen. Diese <strong>Glaubenss\u00e4tze <\/strong>sind eng verkn\u00fcpft mit unseren Herkunftsfamilien, aber auch gesellschaftlichen Rollen und Geschlechterbildern. H\u00e4ufig erlebe ich Frauen, die eine schwere Geburt meinen aushalten zu m\u00fcssen, das sei halt einfach so. Wochenbettdepressionen w\u00fcrden ja vorbei gehen. Und toxische Partnerschaften hat halt jeder Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, wir Menschen k\u00f6nnen viel ertragen. Man sieht uns vielleicht unser Leid nicht einmal an und wir funktionieren ja auch weiterhin. Besonders mit Kindern muss man schlie\u00dflich funktionieren. Aber was psychologisch dann passiert, ist vielen nicht bewusst. Wir sammeln psychischen Ballast und Stress. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.mpg.de\/431776\/forschungsSchwerpunkt\" target=\"_blank\">Forschungen<\/a> zeigen, dass dieser Stress uns nachhaltig ver\u00e4ndert und auf Dauer krank macht. <strong>Emotionaler und psychischer Stress<\/strong> lagert sich auf unseren Genen ab und programmiert sie sozusagen um. Das hat zur Folge, dass nicht nur wir potentiell gef\u00e4hrdeter sind f\u00fcr Krankheiten, sondern auch unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee etwas aushalten zu m\u00fcssen, ist also immens sch\u00e4dlich. Und nich nur das. Betrachtet man beispielsweise die deutsche Geschichte und die deutsche <strong>Sozialisation<\/strong>, wird schnell klar, dass &#8222;Ertragen&#8220; als Verhaltenskodex aus fr\u00fcheren Generationen stammt. Im Krieg und beim Wiederaufbau war schlichtweg kein Platz f\u00fcr weitere Probleme. Im \u00dcberlebensmodus schaltet der Mensch um und sichert in erster Linie die Grundbed\u00fcrfnisse (Nahrung, Schutz, Schlaf, k\u00f6rperliche Unversehrtheit). Doch einmal einprogrammiert, halten sich solche Glaubenss\u00e4tze lange in einer Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1920\" height=\"1080\" src=\"http:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-588\" srcset=\"https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920.jpg 1920w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920-300x169.jpg 300w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920-768x432.jpg 768w, https:\/\/ulrikeschlag.at-anti.space\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/people-gf093ed71b_1920-1536x864.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer sich also fragt: &#8222;Leide ich genug, um mir Hilfe holen zu d\u00fcrfen?&#8220; sollte sich meiner Meinung nach folgender Umst\u00e4nde bewusst werden: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.<\/strong> du leidest und sp\u00fcrst es<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.<\/strong> die Annahme, es m\u00fcsse ein gewisses Ma\u00df erreicht werden, um sich Hilfe zu verdienen ist sch\u00e4dlich f\u00fcr dich und andere und nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.<\/strong> Hilfe steht jedem zu, immer und bedingungslos<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.<\/strong> Je l\u00e4nger du wartest, desto gravierender werden deine Probleme und desto l\u00e4nger dauert der Heilungsprozess<\/p>\n\n\n\n<p>Ich pl\u00e4diere immer wieder sehr daf\u00fcr, dass wir uns wichtiger werden und Pr\u00e4vention Teil der gesundheitlichen Versorgung wird. Manchmal braucht es fr\u00fchzeitig nur ein oder zwei Therapiesitzungen, ein Jahr sp\u00e4ter aber schon wochenlange Behandlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum: wenn du dich schlecht f\u00fchlst, suche eine*n Expert*in in deiner N\u00e4he auf. Frage nach, ob du eine psychische St\u00f6rung hast, lass dich ggf. diagnostizieren und gehe deine Probleme an. Erlebe, wie Knoten sich l\u00f6sen und du dich innerlich entspannst, wie du losl\u00e4sst und wie sich deine Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr dich und Menschen um dich herum verbessert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich einmal \u00fcber meine sehr pers\u00f6nliche Meinung sprechen zum Thema &#8222;Wann sollte ich mir Hilfe holen?&#8222;. In meiner Arbeit, sogar auch bei Vortr\u00e4gen und Workshops taucht diese Frage h\u00e4ufig von Klient*innen auf. Das liegt sicher zum Einen daran, dass psychische Probleme gesellschaftlich zwar langsam bekannter sind, aber immer noch schwer greifbar. 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